Ingmar Busch pres. NYC2004

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Nachbetrachtungen

Diese Seite hat ihren Zweck erfüllt, mehr sogar als ich dachte. Ursprünglich für Familie, Freunde und Bekannte gedacht, haben auch sogar "Fremde" an meiner kleiner Reise teilgenommen. So z.B. das CIEE meine Tagebuch gelesen. Hätte ich das gewusst ;-)

Jedenwalls durfte ich am Ende einen Bericht für die Nachfolgeorganisation des CIEE, die Travelworks GmbH, schreiben, in der ich meine Erfahrungen zusammenfassen sollte. Hier der Artikel:

Ingmar Busch; seit Februar 2003 Diplom-Informatiker mit Schwerpunkt Medieninformatik
Praktikum: map new york in New York ; Medienagentur

Eigentlich hatte ich ein Auslandspraktikum während meines Studiums vorgesehen, doch aufgrund der knappen Zeit und dem verhältnismäßig hohen Aufwand für ein Auslandspraktikum beschloss ich, noch zu warten. Für mich stand fest, dass ich mindestens ein halbes Jahr im Ausland verbringen möchte. Zunächst war es eigentlich nur der Wunsch, meine Sprachkenntnisse zu verbessern und etwas Neues zu erleben, bevor ich in das dauerhafte Arbeitsleben wechsele. Mit der Zeit wurde mir jedoch klar, dass ich nach einer neuen Herausforderung gesucht habe, die ich in Deutschland nicht finden konnte.

Ich entschied mich für ein Praktikum in den USA. Ich bewarb mich bei verschiedenen privaten Agenturen und Organisationen und verschickte parallel Bewerbungen. Es erwies sich als schwierig, geeignete Praktikumsplätze zu finden. Trotzdem habe ich mein Ziel immer weiter verfolgt. Im Oktober erhielt ich eine Zusage von meinem späteren Praktikumsgeber map new york. Die Bewerbungsphase hat also mindestens sieben Monate gedauert und am Ende hatte ich noch das Gefühl, dass ich neben meinen Anstrengungen richtig Glück gehabt habe. Mein Aufgabenbereich hat so ziemlich alles umfasst, was in der Agentur mit EDV und Computern zu tun hatte. Besonders interessant war die Arbeit an einem Beitrag für das Pro7 Magazin Galileo, bei dem ich dem Kameramann assistiert und Vorbereitungen (Loggen der Szenen) für den Schnitt getroffen habe. Das Praktikum war für mich jedenfalls ein Volltreffer, da ich mich in vielen Bereichen austoben durfte und meine Ideen einbringen und umsetzen konnte. Die Stimmung im kleinen Team war super, jeder hatte Spaß bei der Arbeit. Wir sind einfach gut miteinander ausgekommen, und das auch öfter nach der Arbeit.

Nach sieben Monaten fällt es mir besonders schwer über besondere Eindrücke zu sprechen, da ich in der gesamten Zeit so viel erlebt habe und noch gar nicht alles verarbeiten konnte. Gerade New York ist zu Beginn sehr aufregend und manchmal konnte ich kaum begreifen, dass ich morgens wirklich bei Sonnenaufgang über die Brooklyn Bridge jogge. Es hält sich bei Europäern auch oftmals das Gerücht, dass die meisten Amerikaner oberflächlich sind. Das mag vielleicht stimmen, doch in jedem Fall kann man durch diese Mentalität sehr leicht Kontakt finden. Und aus vielen vermeintlich oberflächlichen Begegnungen sind gute Freundschaften gewachsen. Gerade in dieser Beziehung musste ich feststellen, dass die meisten Leute toleranter und offener sind als ich es gewohnt bin. Dadurch wird allerdings erst ein Zusammenleben der verschiedensten Kulturen in New York möglich.

In den sieben Monaten habe ich wahrscheinlich mehr von den USA gesehen, als der durchschnittlich arbeitende Amerikaner. Nach einem zehntägigen "Ausflug" nach Florida mit meinen Eltern bin ich noch zu den Niagara Fällen, nach Philadelphia, Washington und Atlantic City gefahren. Schließlich wollte ich ja noch etwas vom Land sehen, wenn man schon mal in der Gegend ist. Nicht zu vergessen, die zahlreichen Strand- und Landbesuche rund um New York. Wer denkt, dass New York nur eine miefige Großstadt ist, sieht sich getäuscht. Innerhalb von einer Stunde mit dem Zug oder Auto ist man an den schönsten Stränden wie Jones Beach auf Long Island oder in der Bergen zum Wandern. Der Urlaub in Florida war eher erholsam als aufregend. Aber wann kann man schon mal Alligatoren und Schildkröten in freier Wildbahn beobachten? Nachdem mein Praktikum beendet war, habe ich die Gelegenheit genutzt und bin für 17 Tage nach Kalifornien geflogen. Bei den günstigen Inlandsflügen unbedingt zu empfehlen. Die Hostels in San Francisco, Los Angeles und San Diego waren recht günstig und man trifft immer nette Leute, mit denen man viel Spaß haben kann. Ein Highlight dort war die Fahrt auf dem Highway 1, der Küstenstraße von San Francisco nach Los Angeles mit einer atemberaubenden Aussicht auf den Pazifik.

Der Aufenthalt in den USA war einer der schönsten Abschnitte meines Lebens, der mir teilweise immer noch wie ein Traum vorkommt. Es ist sogar jetzt noch schwer für mich vorzustellen, dass ich vor der Golden Gate Bridge stand oder sie sogar mit dem Fahrrad überquert habe. Auch war der Kulturschock nach meiner Rückkehr größer als bei meiner Ankunft in New York, so dass ich sofort wieder zurück wollte. Um die ganzen Erlebnisse und Eindrücke zu verarbeiten, werde ich sicherlich noch einige Zeit benötigen.

In jedem Fall kann man mit einem Praktikum im Ausland nichts falsch machen. Das eigentliche Ziel, die Verbesserung der Sprache, erreicht man nebenbei, so dass man sich auf die ganzen schönen Dinge konzentrieren kann. So ein Leben wird man wahrscheinlich nie wieder haben ... Falls man den Traum hat, eine Zeit lang im Ausland zu leben, sollte man daran unbedingt festhalten. Auch wenn das Ziel nach etlichen erfolglosen Bewerbungen in weite Ferne rückt, die Erfahrungen sind es wert. Für mich steht fest, dass es nicht mein letztes "Gastspiel" in den USA war! 

 

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