Ingmar Busch pres. NYC2004

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Schwimmbad - Regeln

Also eines muss man der Stadt New York ja lassen. Trotz notorischer Pleite gibt es ziemlich viele Sachen, die man hier umsonst machen kann. Dazu gehört nicht nur die Staten Island Ferry (oft genug gepriesen) und die diversen Kulturangebote (Shakespeare im Park, Movies im Bryant Park), sondern vor allem die Sportmöglichkeiten. Kunstrasenplätze im East River Park, Läufer- & Skaterstrecke am Hudson River und nun auch noch ein Schwimmbad direkt vor meiner Haustür. Im Hamilton Fishpark  (Houston @ Avenue C) wurde das große Schwimmbad Mitte Juni mit Wasser gefüllt, so dass es rechtzeitig zu den Schulferien aufmachen konnte. Und das passt natürlich genau in meinen Fitnessplan. Nachdem ich in den letzten Wochen wieder ausgiebig und mindestens dreimal die Woche Beachvolleyball spielen konnte, gehe ich auch nun wieder jeden Tag Joggen oder Schwimmen. So zumindest die Theorie. Leider schaffe ich meist nur ein- oder zweimal in der Woche gegen Sieben in der Frühe aufzustehen, was mehr an meiner Faulheit als an meinem engen Terminkalender liegt. Das Schwimmbad ist jedenfalls den ganzen Tag für die Kiddies offen, früh und abends gibt's dazu noch "adult lap swimming", also Bahnenschwimmen für Erwachsene (das bin ich!). Und dabei gibt es eine ganze Menge Regeln zu beachten.

Also, unbedingt duschen vor dem Schwimmen (die Duschen sind sogar warm). Tut man das nicht, wird man ganz schön angeblafft. Passiert allerdings auch, wenn man duschen war, selbst wenn es nicht so aussieht. Weiterhin gibt es eine tolle Karte, die man am Eingang des Schwimmbads abgeben muss und am Ende wiederbekommt. Damit wissen die "Aufseher" dann genau Bescheid, wieviele Leute gerade rumpaddeln. Somit können auch gleich die Taucher gerufen werden, wenn am Ende mal Karten über bleiben. Dummerweise müssen dann fast jedes Mal die Taucher geholt werden, denn es bleiben garantiert immer Karten liegen. Mir wurden schon zwei neue Schwimmpässe ausgestellt, weil die auf einem Schreibtisch verloren gegangen sind. Die letzte war sogar in einer Plastikfolie und eigentlich nicht zu übersehen. Wie blöd muss man eigentlich sein, um die Karten zu verlieren, wenn man die ganzen Zeit an einem Tisch sitzt? Naja, mein Problem soll es nicht sein.

Dann gibt es irre Sicherheitsvorkehrungen, wahrscheinlich strenger als am Flughafen. Außer Badelatschen, einen Schlüssel und einem Handtuch darf man nix mit ins Schwimmbad nehmen. Es gibt zwar Schließfächer, doch das muss man erstmal wissen. Als ich das erste Mal mit einer Plastiktüte, Handy und Schuhen reinwollte, wurde ich fast ausgelacht. Die nette Dame machte mich dann auf diese lustigen Gesetze aufmerksam: "No plastic bags, no cell phones, no shoes" und bot mir sogar an, auf meine Sachen aufzupassen. In New York läßt man seine Sachen nicht einfach so bei einer Person, die man noch nie gesehen hat. Also fing ich eine kleine Diskussion an, wozu denn diese Regeln seien. "for safety and convenience" wurde mir trocken geantwortet. Nachdem ich dann "but not for my convenience" erwiderte, fand sie das nicht mehr so lustig. Am Ende hab ich meine Klamotten doch bei ihr gelassen und das Handy reingeschmuggelt ;-) Übrigens, man sollte hier nicht mit "Authoritätspersonen" diskutieren, weder mit einem Bankangestellten, einem Parkwächter und einem Toiletten-Aufseher. Die Leute nehmen ihre teilweise dummen Regeln & Gesetze ziemlich ernst und sind auch nicht für logische Argumente offen. Also was immer auch passiert, man hat nie Recht. Fast so wie in der Schule oder im Job ...

Sicherheit wird dort übrigens GROSS geschrieben. Vier Rettungsschwimmer teilen sich das knapp 50 x 20 Meter große Becken. Einer würde auch reichen, denn die Wassertiefe ist maximal 1.50m, d.h. man muss schon ziemlich blöd sein, um dort zu ertrinken. Aber was solls, lieber einer zu viel als zu wenig. An einem Sonntag waren nur zwei Rettungsschwimmer im Einsatz. Eigentlich immer noch genug, um das ganze Becken zu überschauen. Und ich durfte mich davon überzeugen, wie gut sie das Becken überschauen konnten. Kurz nachdem ich die Mitte überquert hatte, ließ mich ein gellender Pfiff aufschrecken. Beide Rettungsschwimmer winkten mich mit fast synchronen Bewegungen zurück und machten mir deutlich, dass ich heute nur bis zur Mitte geht.

Beim lap swimming wird das Becken in drei Bereiche eingeteilt, slow, medium und fast. Im slow Bereich schwimmen die Leute echt so langsam, dass man schneller das Becken durchläuft. Auch wenn es diese nervigen Regeln gibt, Spaß macht es trotzdem. Und es ist umsonst und da sollte man sich also nicht beschweren. An den heißen Tagen ist das Wasser auch echt eine angenehme Abkühlung. Hey, ich hätte nie gedacht, dass ich mal über ein Schwimmbecken schreiben kann. Diese Stadt vollbringt einfach wunderbare Dinge ;-) aber wahrscheinlich fällt mir einfach nix mehr ein!