Ingmar Busch pres. NYC2004

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Die NJ-Blockade

03-20
Eigentlich sind New Yorker ja ziemlich tolerant und aufgeschlossen gegenüber allem, was hier so passiert. Niemand würde sich wahrscheinlich wundern, wenn ich in Unterwäsche in der U-Bahn aufdribbel - abgesehen von den kreischenden Mädels natürlich ;-) Trotzdem gibt es etwas, was die meisten New Yorker gar nicht mögen, nämlich New Jersey.

Am Samstag war ich zu einer Party mit der tollen Bezeichnung "Spring Equinox/Not Irish St. Paddy's Day Celebration!" eingeladen, was so viel wie Frühlingsanfang und nachgefeierter St. Patrick's Day bedeutet aber eigentlich nur ein Grund war, und sich richtig zu besaufen. Wie gut das die Amerikaner und die Deutschen können, das wusste ich bereits - nun konnte ich mich aber auch von den Trinkgewohnheiten der Franzosen überzeugen. Von wegen Wein und Trinkkultur ...

Oh, ich schweife von Thema ab, eigentlich geht es hier ja um die imaginäre Mauer. Eigentlich wollte ich ja zur Party ein-zwei Leute mitnehmen, doch das ist gar nicht mal so einfach, wie ich dachte. Eine Bekannte hat mir aus unbekannten Gründen dringend abgeraten, nach Hoboken, New Jersey zu fahren. Hoboken liegt genau an der anderen Seite des Hudson River, ist also nur ein paar Kilometer von Manhattan weg. Man fährt mit einem besonderen Zug (PATH train) und benötigt knapp 10 Minuten. Nur mal so zu Vergleich, in einige Teile von Queens oder Brooklyn, die noch zum Gebiet von NYC gehören, ist man über eine Stunde unterwegs. Weiterhin ist Hoboken viel sauberer als NY und sieht wie eine typische amerikanische Kleinstadt aus. Es gibt jedenfalls keinen Grund, nicht nach Hoboken zu fahren. Trotzdem wird New Jersey hier von Vielen als Wildnis empfunden (was für einige Teile vielleicht auch zutrifft), die viele Kilometer weit weg ist. Ich muss zugeben, dass man sich von der Denkweise schnell beeinflussen lässt, denn für mich war New Jersey gedanklich auch ziemlich weit entfernt. Mein Roommate hat mich mit "Wie kannst du nur"-Augen angeschaut, dass ich nach Hoboken fahre. Wahrscheinlich dachte sie auch, ich komme erst in zwei Wochen wieder.

Warum es hier diese Differenzen gibt, ich weiß es nicht. Übrigens ist man "auf der anderen Seite" aber auch schon fast ein Exot, wenn man aus NY kommt. "you live in New York? why do u come to Hoboken?". Wahrscheinlich fühlt sich der New Yorker als etwas Besonderes oder die Leute aus New Jersey haben Minderwertigkeitskomplexe.Oder beides, oder keines davon. Wer weiß das schon.Vielleicht werde ich es aber noch herausfinden ...